Mathias Peter I Landesamt für Schule und Bildung

Leiter des Standortes Bautzen



Eröffnung des 3. Fachtages 2plus 2018

Beitrag in Serbska šula (1) 2019

 

Česćene wučerki a wučerjo, waženi referenća a hosćo.

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Referenten, Eltern und Gäste.

 

Auch ich begrüße Sie recht herzlich hier in der Mehrzweckhalle „Jednota“ zum 3. Fachtag 2plus – einer Veranstaltung des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus und des Landesamtes für Schule und Bildung, Standort Bautzen, in Kooperation mit dem WITAJ-Sprachzentrum Bautzen.

 

Eine Woche nach den Herbstferien trifft man sich nun schon zum dritten Mal zu einer solchen Veranstaltung. Das ist schon eine beginnende Tradition.
Die jährliche Auszeichnung der Besten Oberschüler im Sächsischen Landtag ist bereits beim dritten Mal als feste Tradition bezeichnet worden. Und mir ist sogar bekannt, dass die Planungen für den 4. Fachtag 2plus im Jahr 2019 bereits laufen.

 

Zu Beginn möchte ich Ihnen die herzlichsten Grüße von Frau Wittig aus dem Sächsischen Kultusministeriums übermitteln. Hoffentlich verstoße ich jetzt nicht gegen den Datenschutz, wenn ich sage, dass sie heute wegen einer Erkrankung leider nicht teilnehmen kann. Sie wird sich im Nachgang sehr umfangreich über den Verlauf und die Ergebnisse des heutigen Tages informieren, so kenne ich sie.

 

Der Verlauf des heutigen Tages wird heute zwangsläufig etwas anders ausfallen als in monatelanger, akribischer Vorbereitungsarbeit geplant. Sie sind über die plötzliche Erkrankung eines der Hauptreferenten bereits informiert worden. Insofern ging und geht es den Organisatoren des Fachtages am gestrigen Tag und heute nicht anders als Schulleitungen und Lehrkräften in der Schule. Wenn jemand plötzlich ausfällt, muss umorganisiert werden. Dabei sind Kreativität, Entscheidungsfreude und gute Partner notwendig. Ich glaube aber der Schweiß ist bei Frau Dr. Brězan und Herrn Handrick mittlerweile getrocknet.

 

Unabhängig von diesen nicht vorhersehbaren Begleitumständen ein paar Worte von mir -  Welche Bedeutung messe ich dieser Veranstaltung bei?
Das Konzept 2plus wird, wenn man die Phase der Evaluation und die Zeit nach der offiziellen Einführung im Jahr 2014 zusammenfasst, nunmehr mehr als 10 Jahre in insgesamt sechzehn Schulen umgesetzt. Schon bei der Entwicklung des Konzeptes sind die vielfältigsten Ideen und Erfahrungen aus der Schulpraxis und externer Experten eingeflossen.
Weitere und neue Erfahrungen werden seit der Einführung des Konzeptes bei dessen Umsetzung eigentlich tagtäglich gesammelt. Sie sind alle mittendrin bzw. mit dabei. Genau diese Erfahrungen sind für die Weiterentwicklung des Konzeptes wichtig.

Das gesellschaftliche Umfeld von Schule hat sich jedoch auch geändert. Für das Konzept und damit natürlich für Sie ist dabei von entscheidender Bedeutung, in welcher Art und Weise sich die sorbische Sprache und ihre Anwendung im Alltag entwickeln.

 

Wodurch werden die Sprache  und der Gebrauch im Alltag gefährdet?

Oder positiv gedacht – welche Maßnahmen unterstützen den Gebrauch der sorbischen Sprache?

 

Zur Beantwortung solcher Fragen ist ein reger Austausch notwendig. Diesen haben Sie zum einen in Ihren Schulen Vor-Ort, in den Fachzirkeln und den fachbezogenen Fortbildungen. Dabei spielen die Koordinatoren für 2plus aus meiner Sicht eine sehr wichtige Rolle. Sie übernehmen eine Art Vermittlerrolle. Sie analysieren, unterstützen die Schulleitungen und Kollegien, tauschen sich aus und machen dann Vorschläge, wie die Umsetzung von 2plus verbessert werden kann.

 

Für diese intensive Arbeit in den letzten Schuljahren, die der Standort Radebeul inhaltlich und organisatorisch immer sehr gut begleitet, möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken.

 

Die dabei gewonnen Erfahrungen und Abstimmungsergebnisse fließen in vielfältigster Art und Weise in den Unterricht ein. Sie sind aber auch Grundlage von Vorschlägen und nachfolgender Planungen zum Fortbildungsangebot rund um 2plus. Ebenso fließen natürlich auch die Hinweise und Anregungen der Fachberaterinnen des Faches Sorbisch in diesen Prozess ein, das darf ich nicht vergessen.

 

Alle genannten Akteure gestalten gemeinsam mit den Schulleitungen sowie den Fachleuten vom Witaj-Sprachzentrum und dem  Sorbischen Schulverein die jährliche Klausurtagung zum Konzept. Die im Jahr 2018 hatte wiederholt die Schnittpunkte der Schullaufbahn Kita/Grundschule und Grundschule/weiterführende Schule auf der Tagesordnung.

 

Anlass war zum einen die Überprüfung der Anwendbarkeit der im letzten Jahr aktualisierten Definitionen der Sprachgruppen sowie Fragen zur Elternarbeit.

 

Zusammenarbeit – das war unter anderem ein zentraler Punkt der Gespräche beim Word-Café des letzten Fachtages, wenn ich mich richtig erinnere. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen unter anderem in die Ratgeber-broschüren des SMK zum Schuleintritt und zur Schuleingangsphase einfließen. Auch der gestrige Elternabend war ein konkretes Angebot in dieser Richtung.

 

Die Referentin Frau Dufner, gestaltete für und mit etwa dreißig Eltern eine Veranstaltung zur Kommunikation zwischen Eltern und Kindern. Nach einem fachlichen Input gab es eine angeregte Diskussion.

 

An weiteren, der vor einem Jahr angesprochenen Themen des World-Café´s wird gearbeitet. Das erfolgt z.B. im Rahmen der Steuergruppe 2plus.
Mir ist diesbezüglich bekannt geworden, dass Erwartungshaltungen hinsichtlich konkreter Ergebnisse höher sind als das, was bisher an Festlegungen vorliegt. Sofern Sie sich innerhalb der vorhandenen und bekannten Strukturen persönlich und stärker in die Weiterentwicklung des Konzeptes 2plus einbringen möchten, sind Sie dazu herzlich eingeladen. Vorschläge nehmen wir gern entgegen.

 

Auch auf die Rahmenbedingungen von Schule und Unterricht muss ich hier kurz eingehen. Das sorbische Schulwesen und der zweisprachige Unterricht werden von diesen, hinlänglich bekannten, beeinflusst. Der demografische Wechsel in den Lehrerzimmern, ein hoher Altersdurchschnitt der Kollegien mit den bekannten Nachfolgeerscheinungen und eine generelle Personalknappheit sind Ihnen bestens bekannt. Ich möchte von diesem Podium aus versichern, dass der Standort Bautzen mit allen seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiterhin zielführend im Sinne der sorbischen und zweisprachigen Schulen arbeiten wird.

 

In Bewusstsein dieser genannten Herausforderungen bin ich besonders davon beeindruckt, dass sich die Organisatoren dieses 3. Fachtages aktuellen, sehr aktuellen inhaltlichen Fragen, heute nun zwangsläufig etwas abgewandelt,  des zweisprachigen Unterrichts stellen.

 

Seit Beginn der Fachtage 2plus stelle ich eine systematische, inhaltliche Abfolge oder besser ein logisches Aufeinanderfolgens der Themen der einzelnen Veranstaltungen fest.

 

Prof. Leisen widmete sich vor zwei Jahren dem sprachsensiblen Unterricht und zeigte an vielen Beispielen, wie man das praktisch umsetzen kann. Seine Standardwerke zu diesem Thema sind auch Dank des Fachtages 2plus in vielen Schulen Bestandteil der Lehrerbibliothek geworden. Super.

An die Ausführungen von Prof. Leisen
sollte unter anderem der heutige Beitrag von Herr Sesemann anknüpfen. Was Prof. Leisen 2016 ausgeführt hat, wird auf ein Unterrichtsplanungsmodell für den bilingualen Unterricht übertragen. Ich bin mir ganz sicher, dass dieses wichtige Thema zukünftig aufgegriffen wird – hier sehe ich quasi auch einen Auftrag. Heute wird Frau Dr. Brězan die dem Unterrichtsplanungsmodell von Herrn Seseman zu Grunde liegenden Ideen vortragen, damit auch diese in die Podiumsdiskussion einfließen können.

 

Prof. Meyer hatte im vergangenen Jahr  unter anderem die Selbstwirksamkeits-erwartung von Schülern thematisiert. Einem Schüler die Sicherheit zu vermitteln, “Du kannst es, Du wirst es schaffen, auch wenn es gegenwärtig (noch) schwierig erscheint“, ist eine dankenswerte Aufgabe für alle Lehrerinnen und Lehrer.

 

Frau Andrea Dufner wird in diesem Jahr darüber sprechen, wie Lehrkräfte diese Selbstwirksamkeitserwartung durch ihr eigenes verbales und nonverbales kommunikatives Verhalten befördern können. Eine wichtige Sicht auf das Wirken von Lehrkräften.

 

Neu beim Fachtag 2plus ist das Thema Inklusion. Ich empfinde es als ein starkes Zeichen, dass sich dieses Forum durch den Vortrag von Frau Schöne und Herrn Jatzwauk vom Sorbischen Gymnasium Bautzen auch dieser Thematik stellt und bin sehr gespannt auf die Ergebnisse.
Ich denke, dass die gewählte Form
 -  Impulsvorträge kombiniert mit einer nachfolgenden Podiumsdiskussion – eine gute Voraussetzung für einen zielführenden Austausch sind.

 

Natürlich sind mir auch die Diskussionen zum vermeintlich nicht direkten Bezug der Inhalte der Hauptreferate zum zweisprachigen Unterricht bekannt.

 

Dazu zwei Anmerkungen. In den Workshops im jeweils zweiten Teil der Fachtage werden die Themen der Hauptreferate weiter geführt und speziell unter dem Blickwinkel des Unterrichts nach dem Konzept 2plus bearbeitet.
In der Regel widmen sich dabei mehrere Workshops direkt der Entwicklung
sorbischer Sprachkompetenz und dem Erreichen einer ausgewogenen Zweisprachigkeit, sowie es das Konzept 2plus beschreibt – eine  Ausgewogenheit zwischen Alltags- und Bildungssprachen im Sorbischen und im Deutschen. Die Hauptreferate legen für diese Diskussionen die inhaltlichen Grundlagen.

Es ist schön, dass die Mehrzahl der Workshops von Praktikern und Experten sorbischer Institutionen, in einigen Fällen auch von Lehrkräften aus Ihrer Mitte gestaltet werden. Nutzen Sie diese Workshops, um miteinander zu diskutieren vielleicht auch zu streiten - um zu Ergebnissen zu kommen. Denn nur diese helfen, den Unterricht zu verbessern.

 

Der Erfolg von 2plus und seiner Umsetzung hängt nicht zwangsläufig  davon ab, was im Konzept formuliert ist, sondern maßgeblich davon, was in den Schulen tagtäglich daraus gemacht wird. Das wissen Sie, ist eine ganze Menge.

 

Ich bin der festen Auffassung, dass sich nicht nur möglichst viele Schulen -  sondern alle Schulen - trotz nicht derzeit nicht einfacher Rahmenbedingungen - dem Thema Entwicklung von Unterrichtsqualität stellen müssen. Ja, das fällt zurzeit manchmal schwer.

 

Hier und heute habe ich ein sehr gutes Gefühl und möchte allen Beteiligten, die diese Veranstaltung vorbereitet haben meine Anerkennung und meinen Dank aussprechen. Danke auch noch einmal an Dich speziell, Sebastian.

Die Kooperation zwischen
  dem Landesamt für Schule und Bildung, Standort Bautzen, und dem WITAJ-Sprachzentrum Bautzen zeigt hier und heute eindeutig seine Bedeutung und vor allem seine praxisorientierte Wirksamkeit mit einem Hauptziel: beste Unterstützungsangebote für die Schule im Hinblick auf die Erhaltung, Entwicklung und einigen Fällen auch Revitalisierung der sorbischen Sprache.
Deshalb an dieser Stelle ein besonderer Dank an unseren Kooperationspartner, an das Witaj-Sprachzentrum, an die Leiterin Frau Dr. Brězan und Ihr gesamtes Team.


Der Fachtag 2plus steht in einer Reihe vielfältigster Maßnahmen im Zusammenhang mit der notwendigen Weiterentwicklung des Konzeptes. Wie ich bereits ausführte, geht das nicht ohne Sie alle, die Lehrerinnen und Lehrer. Es ist sehr schön und ermutigend, dass Sie heute an einem Sonnabend, durch Ihre Teilnahme die Bereitschaft zur Mitwirkung zum Ausdruck bringen.

 

Natürlich kann man vieles anders oder noch besser machen. Die Organisatoren hoffen dabei auf Ihre Mitwirkung. Eine Möglichkeit ist das Ausfüllen und Abgeben der Evaluationsbögen in den Tagungsmappen. Ich möchte Sie dazu ermutigen.

 

Ich wünsche dem 3. Fachtag 2plus einen erfolgreichen Verlauf und Ihnen allen, dass Sie durch die Vorträge, die Diskussion und die Workshops  neue Anregungen für Ihren Unterricht bekommen.

 

Ach, und wenn es Ihnen gefallen hat, sagen Sie es weiter. Dies wäre der neben der am heutigen Nachmittag hoffentlich vorhandenen Vorfreude auf die Veranstaltung am 9. November des nächsten Jahres der schönste Dank an die Organisatoren.

 

Přeju Wam wuspěšny fachowy dźeń.